Gerade habe ich einen unerwünschten Anruf von jemandem unterhalten, der mir erzähte er sei von einer GfK Nürnberg und etwas über meine Konsumgewohnheiten erfahren wolle. Gleich zu Anfang bei der Ausspionierung der persönlichen Daten fragte der Marktforscher mich nach dem Alter, woraufhin ich ihm erklärte, dass mir die Frage zu privat ist. Eigentlich habe ich gedacht, damit wäre ich den Marktforscher los, aber weit gefehlt. Ich möge doch irgendwas sagen.

Geduldig hat der Marktforscher sich angehört, dass ich ein 76 Jahre alter Schüler mit einem monatlichen Einkommen von 25.000 Euro bin, in meinem internetfreien Haushalt zehn Personen leben und wissbegierig seine Multiple Choice Fragen zu meinen Entsorgungsgewohnheiten gestellt. Dass ich deutlich gemacht habe, meine Antworten im inhaltlichen Teil auch frei zu erfinden, hat den Anrufer überhaupt nicht gestört. Am Ende fragte er mich sogar noch, ob ich noch einmal für weitere Fragen zu meinen Konsumgewohnheiten angerufen werden dürfe.

Dafür, dass meine Antworten aufgrund der offensichtlichen Lügen als Datengrundlage für wissenschaftliche Marktforschung völlig unbrauchbar sind, hat der fleißige Marktfoscher wirklich erstaunlich viel Geduld mitgebracht. Aber was weiß ich schon? Vielleicht kommt es ja nicht darauf an, durch die Marktforschung irgendeine Erkenntnis zu gewinnen, sondern es geht nur darum, irgendeine insgeheim längst getroffene Entscheidung mit der Marktforschung zu rechtfertigen.

Naja, was soll’s. Wenn der Call-Center-Agent und der Auswerter ihren Lohn erhalten und der Kunde den Quatsch bezahlt, dann habe ich durch meine frei erfunden Antworten wenigstens meinen bescheidenen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Deutschland geliefert.



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