Auf der gestrigen Demo “Freiheit statt Angst” in Berlin waren überraschend viele Teilnehmer. Obgleich die Veranstalter vom AK Vorratsdatenspeicherung vor der Demonstration nur mit etwa 3.000 Teilnehmern gerechnet hatten, sind nach Angaben der Polizei etwa 8000 Menschen und nach Angaben der Veranstalter etwa 15.000 Menschen zur Demo vom Brandenburger Tor zum Roten Rathaus und zurück gekommen. Es hat Freude gemacht, zu sehen, dass gemeinsam mit dem AK Vorratsdatenspeicherung verschiedenste gesellschaftliche Gruppierungen wie Linkspartei, Grüne, Piraten, Junge Liberale, Computerclubs, Ärzte und Montagsdemonstranten ebenso farbenfroh wie friedlich gegen die Überwachungspolitik in Deutschland demonstriert haben.
Das sympatische Bild der Demonstration wurde nur getrübt durch eine Gruppe weitgehend schwarz gekleideter Menschen, deren eigener Lautsprecherwagen sich als “Linksradikaler Block” bezeichnete und zahlreichen in Kampfuniform erschienenen Polizisten. Zu Beginn der Demo gab es prompt eine Verzögerung, weil, wie ein Sprecher auf der Bühne erklärte, Polizisten Probleme mit einer Schuhkontrolle von Demonstranten hatten, die die Polizei ausgerechnet vor dem Hotel Adlon am engsten Teil des durch eine Baustelle stark verengten Übergangs vom Brandenburger Tor zur Straße “Unter den Linden” aufgebaut hatte.
Im Demonstrationszug marschierte der aus einigen Hundert Personen bestehende linksradikale “schwarze Block” durch Seitentransparente vor der Öffentlichkeit abgeschirmt, während der zugehörige Lautsprecherwagen die Öffentlichkeit durch aggressive Musik und plump gegrölte Parolen abgeschreckt und sie begleitende Polizisten mit plattem Gebrüll vom “Bullenstaat” und Sprüchen wie “no justice, no peace” heiß auf Gewalt gemacht hat. Auf dem Rückweg vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor sind dann auch prompt einige Polizisten ausgerastet, haben mit Greiftrupps schwarze Demonstranten aus dem schwarzen Block rausgegriffen, verprügelt und verhaftet. Dass es bei der Agression, wie ein Teilnehmer des Schwarzen Blocks mit Pfefferspray in den Augen erklärt hat, um die Größe von Transparenten gegangen sein soll, scheint mir eine dumme Ausrede gewesen zu sein, denn einige Polizisten waren genau wie einige Demonstranten im schwarzen Block erkennbar auf Gewalt aus.
Zurück vor dem Brandenburger Tor waren einige Leute vom veranstalteden AK Vorratsdatenspeicherung wirklich ungehalten. Der schwarze Block sei gekommen, obwohl er nicht eingeladen gewesen sei und hätte die Demonstration kaputt gemacht. Da der Lautsprecherwagen des schwarzen Blocks dann anlässlich des Konfliktes mit der Polizei auch noch das Ende der Demonstration verkündet hat, waren leider auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor nicht mehr so viele Menschen wie auf der Zwischenkundgebung vor dem roten Rathaus. Nicht mal Schilder des Veranstalters mit der Aufschrift “Keinen Bock auf schwarzen Block” sollen den linksradikalen schwarzen Block von der Störung der Demo abgeschreckt haben.
Trotzdem fand ich die Demo insgesamt nicht schlecht habe einige nette Menschen kennengelernt. Dass einige Teilnehmer des schwarzen Blocks keine V-Leute sind, sondern sich offenbar in grenzenloser Naivität wirklich als mutige Kämpfer für das Demonstrationsrecht verstehen und weder sie noch die sie tolerierenden Veranstalter nach Rostock sehen, dass der schwarze Block die Bürgerbewegung für Bürgerrechte durch die Abschreckung der Bürger gründlich kaputt macht, macht mich tief betroffen.
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This entry was posted on Sonntag, September 23rd, 2007 at 17:39 and is filed under Demo. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
[…] Gestern fand in Berlin die vom AK Vorratsdatenspeicherung organisierte Demonstration “Freiheit statt Angst” statt, die von einem breites Bündnis von Bürgerrechtsgruppen, Interessenverbänden der von der Überwachung besonders betroffener Berufsgruppen wie dju und Telefonseelsorgern bis hin zu Jusos und jungen Liberalen unterstützt wurde. Nicht zu den Unterstützern der Demo zählte der linksradikale schwarze Block, der trotz Protesten aus dem Kreis der Demoveranstalter nach dem Motto “Keinen Bock auf schwarzen Block” an der Demo teilgenommen und damit den deutschen Nachrichtenagenturen die Möglichkeit gegeben hat, ein falsches Bild von der Demonstration zu verbreiten. […]
[…] Sollte es sich bei diesen Scharmützeln tatsächlich um jenen ( rechts-? ) radikalen Schwarzen Block gehandelt haben , welcher durch einige Zeugenberichte ( Marcel’s Meinung , Commonspage ) geistert ? Welches Interesse hat die Linkspartei an einer Skandalierung des Vorfalls ? […]